Munich Startup
Women in Tech: Nelly Mathias von We Carry

Women in Tech: Nelly Mathias von We Carry

Saskia Doll

Saskia Doll

January 13, 2026

4 min. read time

Munich Startup: Was hat dich zur Gründung motiviert?

Nelly Mathias: Der Impuls zur Gründung kam sicher vom steigenden Verpackungsmüll in unserer Gesellschaft, zum Beispiel eben in Bäckereien. Zuhause ist mir das immer sehr bildlich bewusst geworden, da meine Eltern immer ganz viel altes Brot für unseren Familienhund Sunny aufbewahrt hatten. Natürlich einzeln verpackt in Einwegtüten.

Dann bin ich in die Recherche gegangen: Wie sieht der Markt aus? Wie hoch sind eigentlich die Kosten für diese Tüten? Wer trägt die Kosten? Und was passiert in der Regulatorik davon in den nächsten Jahren? Und dann war klar: das machen wir!

Munich Startup: Was hättest du gerne vor deiner ersten Gründung gewusst?

Nelly Mathias: Gründen ist Lernen im Turbo-Modus – wie zehn Semester in einem Jahr, nur ohne Semesterferien. Fokus schlägt dabei jede noch so glänzende Parallel-Idee und Excel ist gnadenlos ehrlicher als jede Pitch-Runde. Gründen zieht dir emotional einmal die Gardinen auf: Stärken, Schwächen, Blindspots, Trigger – alles da, alles sichtbar. Lerne, es zu lieben!

Fördertöpfe & Unterstützung von Business Angels

Munich Startup: Wie ist dein Unternehmen bislang finanziert?

Nelly Mathias: Am Anfang haben wir natürlich erstmal selbst was reingesteckt. Wir haben dann aber auch den Weg gewählt, schnell an den Markt zu kommen. Erst über Pilotprojekte mit Bäckereien, aber dann auch zügig mit zahlenden Kunden. Das hat geholfen.

Hinzu kommen einige kleinere Fördertöpfe sowie seit Anfang 2025 auch ein Kreis von Business Angels, die uns unterstützen.

Munich Startup: Wann und wo bekommst du die besten Ideen?

Nelly Mathias: Auf jeden Fall nicht am Schreibtisch. Spaziergänge mit meinem kleinen Dackel sind immer eine Quelle der Inspiration, vor allem wenn es um kreative Gedanken geht. Von unserem Office ist es nur ein Steinwurf zur Isar, das ist super.

Munich Startup: Was sind deine 3 liebsten Arbeitstools?

Nelly Mathias: Ohne unser CRM (Hubspot) würde wirklich gar nichts laufen. Damit verbringe ich sicher den Großteil meiner Zeit.

In unserem Office hängt seit kurzem ein großes Whiteboard. Eigentlich nichts besonderes. Aber ich hatte zuvor unterschätzt, wie sehr das analoge im strukturierten Arbeiten unterstützen kann.

Und natürlich Kaffee.

Beim Pitchen: Zielgruppe im Blick

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?

Nelly Mathias: Ich versuche, mich immer sehr intensiv auf die Zuhörer vorzubereiten. Wer ist meine Zielgruppe? Was triggert sie? Was kann ein CTA sein? Darauf aufbauend kann ein Pitch jedes Mal wieder ganz anders sein. Und trotzdem ist der Kern natürlich derselbe.

Munich Startup: Erscheint es dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Nelly Mathias: Eine gute Zeit zu gründen ist immer dann, wenn du eine gute Idee hast. Es ist sicher so, dass die Wahrnehmung dazu schon einmal besser war als jetzt. Aber ich kann nur empfehlen, sich davon nicht so stark beeinflussen zu lassen, sondern sich mit sich und seiner Idee auseinanderzusetzen.

Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest du bei deiner nächsten Gründung setzen?

Nelly Mathias: Food würde mich schon sehr reizen. Da sind wir mit We Carry ja schon relativ nah und doch irgendwie nicht. Die Frage, wie wir uns in Zukunft ernähren wollen und können, beschäftigt mich auch privat schon sehr.

Spielerische Netzwerkevents in München noch Mangelware

Munich Startup: Was könnte aus deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Nelly Mathias: Es gibt grundsätzlich schon viele Netzwerkoptionen. In meiner Wahrnehmung fehlen aber noch die „spielerischen“ Optionen. In Berlin war ich schon auf zwei Padel Networking Events. Eine „Founder with dog“-Community würde ich auch sehr feiern. Ich hab mir schon länger vorgenommen, hier mal was zu starten. 

Munich Startup: Welche Gründerin oder welchen Gründer würdest Du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest Du sie oder ihn fragen?

Nelly Mathias: Ich würde super gern die drei Airbnb‑Gründer treffen, weil sie es geschafft haben, aus ein paar Luftmatratzen eine Plattform zu bauen, die Reisen komplett neu definiert: weg vom anonymen Hotel, hin zu authentischen Erlebnissen in echten Nachbarschaften überall auf der Welt. Gerne würde ich fragen, wie sie es geschafft haben, aus einer so kleinen, fast schon verrückten Idee ein globales Produkt zu machen und welche mutige Entscheidung auf diesem Weg sich im Nachhinein als die wichtigste herausgestellt hat.

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