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Vom Fußballfeld auf die Toiletten dieser Welt

Vom Fußballfeld auf die Toiletten dieser Welt

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

3. Februar 2026

Der ehemalige Profifußballer kennt das Phänomen nur zu gut: Vor Spielen müssen alle nochmal. Nervosität, Adrenalin und plötzlich stehen 30 bis 40 Spieler und Betreuer Schlange vor maximal drei oder vier Toiletten. Was folgt, sind Situationen, über die man selten spricht, die aber jeder kennt. Unangenehme Gerüche inklusive. Giuseppe Leo, Gründer von Bellaria erklärt in unserem Videocast Pitch & People:

„Vor den Spielen muss man immer auf Toilette. Das ist von Natur aus so, wenn man aufgeregt ist“.

Und genau diese Gerüche brachten den 31-Jährigen auf eine Idee. Leo durchlief dreizehn Jahre lang die Nachwuchsmannschaften des FC Bayern München und stand später auch in der 2. Bundesliga sowie zeitweise in der 1. Liga für den FC Ingolstadt auf dem Platz. Der Leistungssport prägte seinen Alltag inklusive der immer gleichen Routinen vor Spielen. Denn dort, wo alle anderen nur schnell wieder raus wollten, begann Leo nachzudenken.

Vom stillen Örtchen zur Geschäftsidee

Die Idee für den Aircube, das Kernprodukt seines Startups Bellaria, entstand während seiner aktiven Fußballkarriere, auf Reisen, in Umkleiden, im Alltag des Profisports. Immer wieder dieselben Situationen, immer wieder dieselbe Frage, die sich Leo stellte:

„Wir fliegen zum Mond, wir entwickeln künstliche Intelligenz, aber für das Alltägliche, wo wir alle auf Toiletten sitzen müssen, dafür gibt es bis heute keine Lösung“.

Als während der Corona-Pandemie der Spielbetrieb ruhte, hatte Leo plötzlich Zeit. Statt abzuwarten, begann er zu experimentieren. Ohne technisches Vorwissen, mit Teilen aus dem Baumarkt und einem Staubsaugerfilter baute er seinen ersten Prototyp. Nicht perfekt, aber funktional genug, um weiterzudenken.

Giuseppe Leo (*30. Januar 1995 in München) ist ein deutsch-italienischer Unternehmer und Gründer der Bellaria Technology GmbH, dem Startup hinter dem Toiletten-Geruchsneutralisierer Air Cube. Bevor Leo Unternehmer wurde, war er Profifußballer: Er begann seine Karriere in der Jugend des FC Bayern München, kam dort bis in den Kader der zweiten Mannschaft, war später unter anderem Teil der ersten Mannschaft des FC Ingolstadt in der Bundesliga sowie Spieler des Karlsruher SC in der 3. Liga. Anschließend zog es ihn ins Ausland zu FC Aarau in die Schweizer Challenge League. Ein Kreuzbandriss beendete seine aktive Fußballkarriere frühzeitig.

Alleine gründen, alles riskieren

Leo gründete Bellaria alleine. Nicht, weil er es unbedingt wollte, sondern weil es in seinem Umfeld niemanden gab, der an Startups dachte. Fußball stand im Mittelpunkt, nicht Unternehmertum. Also ging er den Weg allein, investierte sein gesamtes Erspartes aus der Fußballzeit in die Idee und entschied sich bewusst für das volle Risiko.

Unterstützung holte er sich erst später: durch intensive Eigenrecherche und schließlich durch einen Ingenieur aus Berlin, mit dem er die Technologie weiterentwickelte. Schritt für Schritt entstand daraus der heutige Aircube.

Wie der Aircube funktioniert

Der Aircube wird direkt an der Toilette angebracht. Während des Toilettengangs saugt das akkubetriebene Gerät entstehende Gerüche unmittelbar ab, neutralisiert sie im Inneren mithilfe eines patentierten Filtersystems, noch bevor sie sich im Raum verteilen.

„Man könnte theoretisch mit offener Tür auf Toilette sitzen und es bekommt keiner mit“.

Nach dem Toilettengang wird zusätzlich das Toiletteninnere ionisiert und gereinigt. Für Leo ist vor allem die Geruchsneutralisation der entscheidende Mehrwert und der Hauptgrund, warum sich KundInnen für das Produkt entscheiden.

Der Durchbruch bei „Die Höhle der Löwen“

Der große Wendepunkt kam mit dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“. Leo sicherte sich einen Deal mit Karsten Maschmeyer: 200.000 Euro für 15 Prozent. Entscheidend war für ihn dabei weniger das Kapital als der Sparringspartner. Er wollte jemanden, der Erfahrung mitbringt, vertraut und Impulse gibt, ohne ihm die Kontrolle aus der Hand zu nehmen.

Die Rechnung ging auf. Nach der Ausstrahlung war Bellaria innerhalb von sieben Minuten ausverkauft. In den ersten 40 Tagen gingen über 9.000 Bestellungen ein. Aus dem Einzelgründer wurde ein vierköpfiges Team, das sich seitdem mit Wachstum, Lieferketten und Kundenservice auseinandersetzt.

Die Vision

Toiletten sind kein glamouröses Thema. Das weiß auch Leo. Doch genau darin sieht er die Chance. Kaum Wettbewerb, ein universelles Problem und ein Markt, der bislang wenig Innovation gesehen hat.

Seine Vision: Bellaria-Produkte sollen zum Standard auf Toiletten werden, privat wie öffentlich. Mit dem geplanten Airseat, einer in die Klobrille integrierten Version der Technologie, will er diesen Anspruch weiter ausbauen.

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