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„Hi, Obama.“ – Wie ein Bademantel-Coup den ehemaligen US-Präsidenten auf die Bits & Pretzels lockte

„Hi, Obama.“ – Wie ein Bademantel-Coup den ehemaligen US-Präsidenten auf die Bits & Pretzels lockte

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

24. September 2025

Vom Hotelgym zur Wiesn-Bühne: Die skurrile Obama-Geschichte

Berlin, 2016. Ein Hotelzimmer im Adlon. Hubschrauber über der Stadt, alles abgesperrt. Obama ist zum Abschiedsbesuch da. Zufällig haben die Bits & Pretzels-Macher ebenfalls ein Zimmer im Adlon, wie Bernd Storm bei Pitch & People erzählt.

Gerüchte gehen um: Der Präsident trainiere früh. Also Turnschuhe einpacken. Um 5.30 Uhr geht Bernd Storm ins Gym. Der Raum ist voll mit durchtrainierten Männern – Secret Service. Eine Stunde am Rad. Dann Unruhe. Obama kommt gleich. Parallel dazu liegt Mitgründer Felix Haas am Pool. Er hastet im Bademantel hinüber ins Gym, Schlappen an den Füßen, Apfel in der Hand. Er macht Dehnübungen, um nicht aufzufallen. Neben ihm das Laufband.

Dann der entscheidende Moment: Obama tritt ein und wählt ausgerechnet das Laufband neben Felix Haas. Nur ein etwas peinliches „Hi Obama“, kommt dem Gründer von Amiando und IDnow über die Lippen.

„Ich hätte ja auch sagen können: „Good Morning Mr. President“ oder zumindest „Hi, Barak“. Aber mir fiel nichts besseres ein.“

Doch der ehemalige US-Präsident bleibt cool, als Haas ihm von der Bits erzählt und dass er doch mal vorbeikommen soll.

„Great… Oktoberfest… I want to bring Michelle.“

erinnert sich Felix Haas an Obamas Antwort.

Das Gespräch dauert nur etwa dreißig Sekunden, vielleicht eine Minute. Aber das reicht. Tage später setzen sich die drei Gründer der Bits & Pretzels hin und schreiben Briefe nach Washington. Hoch offiziell. Doch es dauert, bis überhaupt eine Antwort kommt und bedarf auch danach viel Arbeit. Diplomatische Wege, Fürsprecher, immer wieder nachfassen. Drei Jahre lang.

2019 klappt es. Obama kommt nach München – auf die Bits-Bühne. Der große Auftritt ist Ergebnis von Timing und Beharrlichkeit. Im Hotel liegt ein Wiesn-Outfit bereit. Er probiert es, schickt ein Foto nach Hause – und zieht doch den Anzug an. Begründung aus dem Off von Ehefrau Michelle: „Steht dir nicht, deine Beine sind zu dünn.“

Vom Weißwurstfrühstück zu Deutschlands größtem Gründerevent

Angefangen hat es mit der Bits & Pretzels ganz klein vor zwölf Jahren. Weißwurstfrühstück im Hofbräuhaus, 80 Leute, zwei bis drei Stunden Austausch. Heute ist daraus eine Bühne mit weltweit bekannten Speakern, Workshops und Sessions geworden – und dem klaren Ziel, Gründungsvorhaben in die Spur zu bringen.

Neu ist die Dichte der Entscheider. 500 CIOs deutscher Unternehmen kommen – als potenzielle Kunden und Entwicklungspartner. 1.500 Venture-Capital-InvestorInnen reisen an, dazu rund 300 Geldgeber in diese Fonds. Sie treffen sich im Investors’ Summit. Ein Mix, der Gespräche auf Augenhöhe erzwingt.

Bernd Storm und Felix Haas versprechen weniger Show, mehr Substanz: Masterclasses, kleine Fachbühnen, Debatten auf CIO- und Investor-Summit. Wer 20, 30 oder 45 Minuten investiert, soll mit konkretem „Business Value“ rausgehen. Parallel wächst die Stadt mit: rund 100 Side-Events von Freitag bis nach der Messe – verdoppelt gegenüber dem Vorjahr.

Themenwechsel bei der Bits & Pretzels: Von Klima zu Resilienz

Die Szene ist seit dem Obama-Besuch 2019 erwachsener geworden, sagen die beiden Bits-Gründer. Nachhaltigkeit ist medial leiser, hinter den Kulissen jedoch präsent: Batterie-Recycling, Energiedistribution, neue Materialien, Mobilität. Bernd Storm sagt:

„Es dominieren derzeit sicherlich Themen wie Defence – samt Resilienz und europäischer Souveränität. Wir sehen unsere Aufgabe im Agenda-Setting und wollen nicht nur die Schlagzeilen von heute definieren, sondern auch die Fragen der nächsten Jahre diskutieren. 2025 heißt das Motto: „Connecting Europe“.“

Dazu sucht die Bits & Pretzels den Dialog mit der Politik. Als SpeakerInnen sind unter anderem Wirtschaftsministerin Reiche und Forschungsministerin Dorothee Bär sowie die dänische Digitalministerin Caroline Stage Olsen geladen. Auch der EU-AI-Act gehört auf die Bühne – mitsamt Kontroverse. Der Anspruch: relevante Köpfe, relevante Themen, passende Formate.

München als Deep-Tech-Werkstatt

Im Pitch & People Videopodcast sprechen Felix Haas und Bernd Storm auch über Münchner Erfolgsgeschichten: Zum Beispiel Isar Aerospace um Daniel Metzler, Quantum-Systems, Celonis, Flixbus, Personio – einst mit 2×2-Meter-Stand auf der Bits & Pretzels, heute europäischer Primus. Im Kommen sehen die beiden eine junge KI-Generation. Deep-Tech-Teams wie Marvel Fusion oder Proxima Fusion. Namen, die für eine neue Münchner Mischung stehen: weniger B2C, mehr Technologie-Tiefe.

Die Bits & Pretzels ist kein Konzernprodukt, betonen die Gründer. Unabhängig, „mit einer gewissen Verrücktheit“. Und mit einem Team, das „Tag und Nacht“ am Event arbeitet. Der eigene Anspruch bleibt höher als die Erwartungen von außen. Genau das – sagen Felix Haas und Bernd Storm – sei ihr kleines Geheimnis.

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