Munich Startup
Edurino: Vom Kinderzimmer zum Millionen-Startup

Edurino: Vom Kinderzimmer zum Millionen-Startup

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

7. Oktober 2025

„Unsere Kinder auf die Zukunft vorzubereiten, ist unsere Verantwortung“

Als Irene Klemm und ihre Mitgründerin Franziska Meyer vor fünf Jahren Edurino gründeten, war ihre Vision klar: Kinder sollen spielerisch jene Kompetenzen erwerben, die sie für die Zukunft brauchen.

„So wie Bildung heute stattfindet, gibt es eine große Lücke, insbesondere in der frühkindlichen Bildung“,

so Irene Klemm.

Mit haptischen Spielfiguren und einer interaktiven App tauchen Kinder in Lernwelten ein, die sich wie ein Spiel anfühlen und doch gezielt Zukunftskompetenzen fördern. Figuren wie Leo (Emotionen), Mika (Lesen & Schreiben) oder Robin (Zahlen & Mengen) vermitteln Inhalte altersgerecht. Gleichzeitig lernen Kinder die richtige Stifthaltung mit einem ergonomischen Stift, der gemeinsam mit ErgotherapeutInnen entwickelt wurde.

Von der Wohnzimmer-Idee zur 17-Millionen-Finanzierung

Gestartet inmitten der Corona-Pandemie, hat Edurino heute 75 Mitarbeitende und ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien aktiv. Nach einer Angel-, Seed- und Series-A-Runde folgte im Sommer 2024 die Series-B über 17 Millionen Euro.

Klemm erklärt:

„Wenn man weiß, wofür man das Geld einsetzt, fühlt sich das ganz natürlich an. Es geht nicht um die Markterwartung, sondern um Fokus und Überzeugung.“

Unterstützt wird Edurino unter anderem von Jens Begemann (VUGA), der sein Know-how aus der Gaming-Welt einbringt. So entstand ein Lernsystem, das auf spielerische Motivation setzt und mit dem Tempo der Kinder mitwächst.

Warum Monster rülpsen dürfen

Die Edurino-Gründerinnen setzen von Beginn an auf Co-Creation mit Kindern. In Partner-Kindergärten und Testfamilien werden neue Lernspiele laufend ausprobiert und angepasst.

„Wir sind nicht die Nutzer. Kinder müssen im Zentrum stehen. Wenn sie etwas langweilig finden, stehen sie einfach auf und gehen“,

lacht Klemm.

Dieses direkte Feedback sorgt für intuitive, kindgerechte Produkte – inklusive einer Prise Humor.

„Manche Monster in der App rülpsen. Eltern finden das nicht immer toll, aber Kinder lieben es. Und genau das motiviert sie, weiterzulernen.“

Crowdfunding, Corona und Selbstvertrauen

Entstanden ist Edurino aus der Beobachtung heraus, wie sehr Familien mit der Schließung von Kitas und Schulen in der Corona-Zeit überfordert waren. Klemm erklärt:

„Wir haben so viele Lücken gesehen, dass wir wussten: Wenn das nicht die goldene Idee ist, dann wird da eine andere sein.“

Eine frühe Crowdfunding-Kampagne half, das Produkt zu validieren. Eltern bestellten vor – und bewiesen damit, dass Edurino mehr als nur eine nette Idee ist.

Bildung neu denken – mit digitalem Weitblick

Edurino zielt auf den Bereich, in dem Bildung die größte Wirkung entfalten kann: die frühkindliche Entwicklung.

„Im Kindergartenalter kannst du Weichen stellen und Chancengleichheit schaffen. In der Schule ist es oft zu spät.“

Das Ziel: Kinder lernen, digitale Geräte als Werkzeuge zu verstehen – nicht als reine Unterhaltung. Gleichzeitig trainieren sie emotionale Intelligenz, logisches Denken, Kreativität und Problemlösungsfähigkeit.

„In zehn Jahren wissen wir nicht, welche Skills entscheidend sein werden. Aber Resilienz und Lernfreude zählen immer.“

Heute hat Edurino den Produkt-Market-Fit erreicht. Die Lernfiguren stehen im Handel, neue Märkte werden erschlossen. Künftig will das Startup sein eigenes Figuren-Universum (IP) ausbauen und Kooperationen mit anderen Kindermarken eingehen. Gleichzeitig arbeitet Edurino an der Profitabilität in der DACH-Region und dem nächsten Wachstumsschritt.

Trotz aller Unterstützung sieht Klemm Verbesserungspotenzial im Münchner Ökosystem:

„Gerade im Bildungsbereich gibt es noch zu wenig Förderprogramme für die frühe Gründungsphase. Bildung war lange kein typischer Investmentsektor. Das ändert sich gerade, aber da ist noch Luft nach oben.“

Heute, fünf Jahre nach der Gründung, blickt sie mit Stolz zurück: vom Wohnzimmer-Startup zur EdTech-Marke mit internationaler Strahlkraft.

Mehr davon

Passende Beiträge zum Weiterlesen

DeepIP kauft Patentmaker und macht München damit zur Deutschland-Zentrale
Deals

DeepIP kauft Patentmaker und macht München damit zur Deutschland-Zentrale

09.06.26
3 Min.
Myriameat: Echtes Fleisch ohne Schlachtung
Inside Stories

Myriameat: Echtes Fleisch ohne Schlachtung

08.06.26
6 Min.
Munich Startup Recap 23/26
Ökosystem

Munich Startup Recap 23/26

07.06.26
2 Min.
Exportpreis Bayern 2026 sucht Export-Champions
Wettbewerbe

Exportpreis Bayern 2026 sucht Export-Champions

06.06.26
2 Min.
„Built in Europe“: Neue Jobplattform bündelt 20.000 Stellen aus 1.000 europäischen Startups
Deals

„Built in Europe“: Neue Jobplattform bündelt 20.000 Stellen aus 1.000 europäischen Startups

05.06.26
3 Min.
Europa baut 45 Prozent der Deeptech-Startups. Warum fließt das Kapital woanders hin?
Inside Stories

Europa baut 45 Prozent der Deeptech-Startups. Warum fließt das Kapital woanders hin?

05.06.26
3 Min.