Munich Startup
Im Wettlauf gegen die Zeit: Wie Inplanet CO2 aus der Luft holt

Im Wettlauf gegen die Zeit: Wie Inplanet CO2 aus der Luft holt

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

27. Januar 2026

Als Felix Harteneck, später Co-Founder von Inplanet, für sein früheres Unternehmen CO2-Emissionen ausgleichen wollte, stellte er fest, dass es keinen skalierbaren, sicheren und dauerhaft wirksamen Weg gab, unvermeidbare Emissionen aus der Atmosphäre zu entfernen. Gleichzeitig war klar: Allein durch Vermeidung wird es nicht gehen. In unserem Videocast Pitch & People erklärt Harteneck:

„Wir werden Millionen von Unternehmen haben, die CO2 übrig behalten, selbst bei größter Anstrengung. Eine Lösung dafür ist das Enhanced Rock Weathering, die beschleunigte Gesteinsverwitterung.“

Ein natürlicher Prozess – radikal beschleunigt

Gesteinsverwitterung ist der größte natürliche CO2-Speicherprozess der Erde. Regenwasser nimmt CO2 auf, reagiert mit Mineralien im Gestein, das CO2 wird chemisch gebunden und letztlich über Böden, Flüsse und Ozeane dauerhaft gespeichert – für hunderttausende Jahre. Das Problem: In der Natur dauert dieser Prozess Jahrtausende.

Inplanet hat ihn auf unter zwei Jahre verkürzt. Dafür wird fein gemahlenes Gestein auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht. Das Ergebnis: CO2 wird schnell und messbar aus der Luft entfernt und gleichzeitig entsteht ein Düngemittel-Ersatz.

Warum Brasilien der Schlüssel ist

Dass Inplanet heute stark in Brasilien aktiv ist, hat klare Gründe. Die Böden dort sind stark mineralarm – ideal für die beschleunigte Verwitterung. Hinzu kommen Klima und Landwirtschaft: Viel Regen, riesige Flächen, hohe Offenheit für neue Methoden. Harteneck fügt an:

„Der Prozess läuft in Brasilien rund 20-mal schneller als etwa in Europa. Inzwischen bearbeiten wir über 15.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche – mit messbaren Effekten.“

Mehr Ertrag, weniger Chemie

Der Ansatz überzeugt nicht nur aus Klimasicht. In Studien auf großen Zuckerrohrflächen konnte Inplanet Ertragssteigerungen von über 20 Prozent nachweisen. Gleichzeitig lässt sich der Einsatz chemischer Düngemittel deutlich reduzieren – in Teilen um bis zu 50 Prozent.

Foto: InPlanet

Für Landwirte ist das ein handfester Vorteil: stabilere Kosten, geringere Abhängigkeit von Importen und bessere Erträge. Dass Brasilien rund 70 Prozent seiner Düngemittel importiert, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

CO2-Zertifikate als Durchbruch

Ein zentrales Hindernis für Enhanced Rock Weathering war lange die fehlende Messbarkeit. Ohne belastbare Daten keine Zertifikate und kein Markt.
Inplanet hat dieses Problem gelöst: Durch die Kombination aus wissenschaftlicher Expertise und unternehmerischer Geschwindigkeit brachte das Team Ende 2024 die weltweit ersten Zertifikate für diese Technologie auf den Markt.

Heute zählt das Climatetech-Startup, 2022 von Felix Harteneck und Niklas Kluger gegründet, rund 65 Mitarbeitende, ist international aufgestellt und hat etwa zehn Millionen Euro Venture Capital eingesammelt.

Zwischen Megatonnen und Realität

Das Ziel ist klar: Inplanet arbeitet auf die erste Megatonne aktiv entferntes CO2 hin. Gleichzeitig weiß Harteneck, wie groß die Dimensionen wirklich sind. Selbst optimistische Szenarien gehen davon aus, dass künftig zehn bis 15 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr nicht vermeidbar sein werden. Enhanced Rock Weathering könnte davon einen erheblichen Teil abdecken, aber nur als Teil eines globalen Technologiemixes.

Landwirtschaft als Teil der Lösung

Für Harteneck hat sich der Blick auf Klimaschutz verändert. Landwirtschaft ist nicht nur Betroffene des Klimawandels, sondern auch ein zentraler Hebel, um Emissionen zu reduzieren, CO2 zu binden und gleichzeitig die Ernährungssicherheit zu stärken.

Mehr davon

Passende Beiträge zum Weiterlesen

DeepIP kauft Patentmaker und macht München damit zur Deutschland-Zentrale
Deals

DeepIP kauft Patentmaker und macht München damit zur Deutschland-Zentrale

09.06.26
3 Min.
Myriameat: Echtes Fleisch ohne Schlachtung
Inside Stories

Myriameat: Echtes Fleisch ohne Schlachtung

08.06.26
6 Min.
Munich Startup Recap 23/26
Ökosystem

Munich Startup Recap 23/26

07.06.26
2 Min.
Exportpreis Bayern 2026 sucht Export-Champions
Wettbewerbe

Exportpreis Bayern 2026 sucht Export-Champions

06.06.26
2 Min.
„Built in Europe“: Neue Jobplattform bündelt 20.000 Stellen aus 1.000 europäischen Startups
Deals

„Built in Europe“: Neue Jobplattform bündelt 20.000 Stellen aus 1.000 europäischen Startups

05.06.26
3 Min.
Europa baut 45 Prozent der Deeptech-Startups. Warum fließt das Kapital woanders hin?
Inside Stories

Europa baut 45 Prozent der Deeptech-Startups. Warum fließt das Kapital woanders hin?

05.06.26
3 Min.