Munich Startup
„Nicht die beste Technologie setzt sich durch“: Philipp Baaske, Vizepräsident Entrepreneurship der LMU

„Nicht die beste Technologie setzt sich durch“: Philipp Baaske, Vizepräsident Entrepreneurship der LMU

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

5. Januar 2026

Eine klare Ansage von Dr. Philipp Baaske, Vizepräsident für Entrepreneurship an der Ludwig-Maximilian-Universität München:

„Eine Innovation ist nur eine Innovation, wenn sie vom Kunden genutzt wird.“

Der Physiker und Mitgründer von Nanotemper Technologies weiß, wovon er spricht – sein Unternehmen zählt heute 215 Mitarbeitende, 20 Prozent aller Medikamente kommen einmal mit einem Nanotemper-Gerät in Berührung.

Baaske warnt im Gespräch vor einem typischen Fehler vieler GründerInnen, besonders aus der Wissenschaft: zu technologieverliebt, zu wenig Kundenfokus.

„Nicht die beste Technologie setzt sich durch, sondern die, die am besten vom Kunden genutzt und damit auch gekauft wird.“

Was das bedeutet? Wer immer weiter entwickelt und nie raus geht, der verliert. Denn Erfolg entsteht dort, wo Technologie auf echte Nutzerprobleme trifft – und durch gutes Storytelling, Marketing und Vertrieb.

„Ich war manchmal fürchterlich“

Offen spricht Baaske auch über seine Anfangszeit als Chef bei Nanotemper:

„Ich war manchmal fürchterlich. Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich werde nicht respektiert und habe deswegen Leute in die Ecke gedrängt.“

Der Gründer erzählt ehrlich von der damaligen Zeit: 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten, dunkle Räume, ständiger Zeitdruck, immer wieder die Angst, man könnte am nächsten Tag pleite sein:

„Das war in keinster Weise romantisch. […] Und als dann die neunte [Person] ging, habe ich verstanden, dass es vielleicht an mir liegt und nicht an den Mitarbeitenden.“

Diese Selbsterkenntnis markierte einen Wendepunkt. Heute sieht Baaske Leadership unter anderem als Verantwortung dafür, Räume zu schaffen, in denen Menschen „unter guten Bedingungen“ arbeiten und wachsen können. Sein Unternehmen beschreibt er als „kleines Dorf“, in dem Diversität, Vertrauen und Zusammenhalt zählen. Fun Fact am Rande: das fränkische Dorf, in dem er aufwuchs, hat weniger Einwohner als das von ihm gegründete Startup.

Wachstum mit Haltung

Statt auf schnelles Wachstum um jeden Preis setzte Baaske bei Nanotemper auf den „deutschen mittelständischen Weg“. Was heißt das für ihn? Profitables, unabhängiges Wachstum. Es ist ein langsamer, aber oft nachhaltiger Weg, den er propagiert. Seine Analyse: Von 16 Konkurrenten, die Venture Capital erhielten, existieren heute kaum noch welche am Markt. Und die GründerInnen, die einen Exit vorweisen können, bereuen den Verkauf oft. Nanotemper dagegen ist geblieben – und gewachsen.

Baaske sieht im nachhaltigen Wachstum jedoch nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

„Wir haben mit Nanotemper 47 Millionen Euro Steuern gezahlt – der Staat hat 4 Millionen investiert.“

Für ihn ist das ein Beweis, dass erfolgreiche Gründungen den Staat langfristig stärken. Steuern sind das eine, dazu kommen Innovationen, die Gesellschaft und Wirtschaft weiterbringen, Arbeitsplätze schaffen, und Mitarbeitende, die – inspiriert – selbst zu GründerInnen werden.

Mut zur Lücke und zum Risiko

Als Vizepräsident für Entrepreneurship an der LMU will Baaske diese Erfahrung mit anderen teilen. Das Wissen, das er dank kostenfreier staatlicher Bildung erhalten hat, kann er nun an Studierende und WissenschaftlerInnen weitergeben und der Gesellschaft somit etwas zurückzugeben. Wie er mit seiner neuen Aufgabe auch wirklich Erfolg haben wird? Er fordert weniger Angst, mehr Mut:

„Wenn ich Angst habe zu scheitern, mache ich nichts Neues. Und wenn ich nichts Neues mache, machen es halt andere – und dann haben wir verloren.“

Sein Appell an Münchens Gründerszene ist klar:

„Wir sollten uns mehr zutrauen, mehr wagen – wir haben ja die besten Bedingungen in München.“

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