Munich Startup
Chaos im Amt – Wie Summ AI Verwaltungen hilft, sich selbst zu verstehen

Chaos im Amt – Wie Summ AI Verwaltungen hilft, sich selbst zu verstehen

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

29. Oktober 2025

KI für Verständlichkeit – nach außen und innen

Bekannt wurde Summ AI, gegründet von Flora Geske und Vanessa Theel, zunächst durch ein Tool, das Texte in Leichte oder Einfache Sprache übersetzt. So können BürgerInnen Behördenschreiben und Formulare verstehen, auch ohne Jurastudium.

„Wir machen die Verwaltung digitaler und besser für die BürgerInnen“,

sagt Theel im Pitch & People-Interview.

Auch journalistische Texte bei Munich Startup, wie zum Beispiel diesen hier, könnt ihr über einen Klick rechts oben in unserer Menüleiste in Leichte Sprache übersetzen lassen.

Doch die Gründerinnen erkannten schnell: Das Problem liegt nicht nur in der Sprache nach außen, sondern auch in den unübersichtlichen Abläufen nach innen. In Gesprächen mit den Digitalisierungsbeauftragten unterschiedlichster Behörden oder Verwaltungen stellte sich heraus:

„In 99 Prozent der Fälle konnten sie uns nicht sagen, welche Prozesse überhaupt gut digitalisiert sind, weil sie sie gar nicht kennen. Wenn BürgerInnen 18 Monate auf ein Schreiben warten, dann liegt das nicht nur an der Sprache, sondern auch an chaotischen Prozessen“.

Genau hier setzt das neue Summ-AI-Tool an. Es dokumentiert automatisch Prozesse, die Mitarbeitende per Sprache oder Chat beschreiben. Daraus entstehen transparente Prozessmodelle, die zeigen, wo Arbeitsschritte sich doppeln, liegenbleiben oder automatisiert werden können.

Von der Tante zur Technologie

Die Ursprungsidee geht auf die Tante von Theels Mitgründerin Flora Geske zurück, die zur Zielgruppe für Leichte Sprache gehört. Sie hatte Schwierigkeiten, komplexe Texte – etwa von der Tagesschau – zu verstehen.

„Wir dachten: Das ist doch ein No-Brainer. KI eignet sich hervorragend, um Texte zu vereinfachen,“

erinnert sich Vanessa Theel.

Heute unterstützt Summ AI Verwaltungen und Organisationen dabei, Informationen verständlich und barrierefrei zu gestalten. Einige Kommunen verschicken bereits Bescheide in zweifacher Ausführung – einmal im Original, einmal in Leichter Sprache. Für Theel ist das ein Schritt hin zu echter Teilhabe:

„Die Verwaltung soll die Menschen da abholen, wo sie stehen.“

Zehn Millionen Menschen profitieren direkt

Die Kernzielgruppe von Summ AI sind laut Theel rund zehn Millionen Menschen in Deutschland – Personen mit Lernschwierigkeiten oder Bildungsnachteilen, sowie ältere Menschen mit eingeschränkter Konzentration.

„Aber eigentlich profitieren alle 80 Millionen. Jeder kennt Situationen, in denen man kein Experte ist und von Fachsprache überfordert wird.“

Auch große Partner wie die Apotheken Umschau setzen inzwischen auf Einfache Sprache. Über 200 Artikel sind dort bereits barrierefrei aufbereitet – von Krankheitsbildern bis Medikamenteninformationen. Summ AI kombiniert dazu regelbasierte Verfahren mit KI-Modellen, um Texte zu vereinfachen, ohne Inhalte zu verändern.

Ein Startup mit langem Atem

Summ AI arbeitet als B2G-Startup, also mit Verwaltungen und sozialen Organisationen. Das SaaS-Modell ist klassisch: Lizenzen richten sich nach Nutzerzahl und Textvolumen. Doch der Markt erfordert Geduld:

„Man braucht einen langen Atem und hohe Frustrationstoleranz. Aber die Zusammenarbeit ist unglaublich wertschätzend“,

so Vanessa Theel.

Trotz wachsender Konkurrenz um KI-Talente – auch durch große Player wie OpenAI in München – bleibt die Motivation hoch. Theel beschreibt den Startup-Alltag als Achterbahnfahrt, aber mit einer klaren Mission: Komplexität reduzieren – in Sprache und Struktur.

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