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Svenja Lassen: „Frauen stellen andere Fragen.“

Svenja Lassen: „Frauen stellen andere Fragen.“

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

1. Oktober 2025

Mehr Investorinnen, mehr Gründerinnen: Wie Svenja Lassen das Ökosystem diverser macht

Svenja Lassen ist Journalistin, Business Coach und seit 2019 fester Bestandteil der Startup-Szene. 2020 gründete sie das Female Investors Network (FIN), um eine Lücke zu schließen. Es gibt nicht nur zu wenige Gründerinnen, sondern auch deutlich zu wenige Investorinnen. Ihr Ziel: Gleichberechtigung – und damit bessere Entscheidungen darüber, welche Startups finanziert werden.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum das nötig ist: In Deutschland sind nur 13,6 Prozent der Business Angels weiblich. 2019, als Lassen in das Ökosystem kam, lag der Anteil sogar nur bei 8 Prozent. Für die gelernte Journalistin hängt das auch mit fehlender gezielter Ansprache und tradierten Rollen im Umgang mit Geld zusammen. Svenja Lassens Botschaft ist klar:

„Kümmert euch um eure Finanzen. Geld bedeutet Einfluss.“

Mit der FIN Academy bietet sie seit 2022 ein Online-Ausbildungsprogramm für angehende Business Angels an – sieben Durchläufe, über 215 ausgebildete Frauen, die bereits investieren. Am 6. Oktober startet die nächste Runde. Der Weg ist dabei bewusst praxisnah und gemeinschaftlich: kohortenbasiertes Lernen, schneller Transfer in die Anwendung – etwa bei FIN-Pitch-Nights, wo Startups live Fragen beantworten. Community, Transparenz und Spaß sind für Lassen zentrale Hebel, um den Einstieg zu erleichtern.

Schon 5.000 Euro reichen

„Man könnte meinen: Angel Investing sei nur etwas für „reich und berühmt“, aber das ist ein Mythos.“

erklärt Svenja Lassen. Pooling-Modelle ermöglichen bereits Tickets ab etwa 5.000 Euro. Trotzdem gilt zu beachten: Das Invest bleibt Hochrisikokapital, deshalb maximal 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens einsetzen, gut diversifizieren und mehrere Startups unterstützen. Das Besondere am Business-Angel-Dasein: Neben Kapital zählen Netzwerk und Expertise – vom Branchenwissen bis zu ersten KundInnenkontakten.

Wer investiert, braucht einen langen Atem: Das Angel-Commitment dauert oft länger als eine durchschnittliche Ehe – fünf bis sieben Jahre sind eher Regel als Ausnahme. Exit-Glückstreffer sind möglich, planbar ist das nicht. Deshalb rät Lassen zu einer klaren Investment-Thesis: Wer eine kürzere Perspektive bevorzugt, beteiligt sich eher an weiter gereiften Startups mit erkennbarem Track Record.

Was Frauen anders machen

Frauen bringen als Investorinnen andere Fragen und Prioritäten ein, häufig mit Impact-Fokus (Umwelt, Klima, Ernährung, Bildung). Viele investieren gezielt in Gründerinnen und gemischte Teams oder lehnen Deals ohne Impact ab. In der Corona-Krise, so berichten GründerInnen, hätten sie weibliche Angels mit Empathie und Soft Skills maßgeblich getragen. Auch als Konsumentinnen bieten Frauen entscheidende Markt-Perspektiven – wer sie ignoriert, riskiert am Bedarf vorbei zu entwickeln. Frühe Diversität im Gründerteam und unter den InvestorInnen hilft Bias zu vermeiden.

Von „25 to 25“ zu „30 to 30“

Eigentlich wollte Svenja Lassen mit ihrer FIN Academy bis 2025 erreichen, dass mindestens 25 Prozent aller Investoren in Deutschland weiblich sind. So ganz hat das nicht geklappt. Was Lassen allerdings in eine „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ verfallen lässt. Sie wertet das nicht als Rückschritt, sondern als Auftrag. Ab nun gilt dann eben 30 Prozent Investorinnen bis 2030. Nötig sind dafür Aufklärung, Sichtbarkeit und die Anerkennung, dass Business Angels als Enabler für Innovation unverzichtbar sind.

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