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Virtonomy: Wie digitale Zwillinge Leben retten

Virtonomy: Wie digitale Zwillinge Leben retten

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Kyrill Ring hat 15 Jahre lang als Live-Reporter fürs Fernsehen gearbeitet und ist seit Juli 2025 als Brand & Communications Manager bei Munich Startup tätig. Hier verantwortet er neben seiner Arbeit als Redakteur für die Webseite neue Formate wie den Videopodcast Pitch&People.

5. November 2025

Simulation statt Tierversuch

Sieben Jahre Entwicklungszeit, über 100 Millionen Dollar Investitionsvolumen – so lange dauert und kostet im Schnitt die Entwicklung eines neuen Medizinprodukts. Die größte Hürde sind dabei klinische Studien, wie Simon Sonntag, Co-Founder von Virtonomy im Pitch & People Videopodcast erzählt:

„Viele scheitern an den Grundkosten, der langen Zeit oder daran, dass sie schlicht nicht durchführbar sind.“

Genau hier setzt Virtonomy an: Mit digitalen Patientenzwillingen, die auf echten klinischen Daten beruhen, können Implantate und Medizinprodukte virtuell getestet und optimiert werden.

Das Ergebnis: Kosten und Entwicklungszeit sinken drastisch, Tierversuche und klinische Tests werden reduziert – mit regulatorisch verwertbaren Ergebnissen. Bereits heute nutzen Branchengrößen wie Medtronic, Boston Scientific oder Johnson & Johnson die Münchner Technologie.

Wie Virtonomy Leben rettet

Was in der Automobilbranche längst Standard ist, revolutioniert nun die Medizintechnik. Doch bei Virtonomy geht es um mehr als Effizienz – es geht darum, kranke Menschen zu retten.

Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, welchen Unterschied die Technologie von Virtonomy machen kann, ist der Fall eines schwer erkrankten Herzpatienten. Bei ihm sollte ein neues Herzklappen-Reparatursystem eingesetzt werden – doch die Zulassungsbehörde verweigerte zunächst die Freigabe, weil Daten zur Dauerfestigkeit fehlten. Simon Sonntag erinnert sich:

„Experimentell hätte das ein halbes Jahr gedauert. Der Patient hätte das nicht überlebt, denn er hatte maximal drei Wochen Zeit, um das Implantat zu erhalten“.

Das Team von Virtonomy simulierte den Test am Computer, überprüfte die Dauerfestigkeit und Sicherheit und erstellte einen umfassenden Report.

„Der Bericht wurde eingereicht, akzeptiert und der Patient konnte behandelt werden. Wir haben damit ein weiteres Leben gerettet.“

Hilfe für die Kleinsten

Besonders wichtig ist Virtonomys Ansatz in der pädiatrischen Medizin. Bei komplexen Herzoperationen an Kindern werden die Zugangswege zum Herzen vorab digital geplant.

„Das Ganze kann im Computer vor der Implantation getestet werden, dann wird der beste Zugangsweg gemeinsam mit den Klinikern evaluiert.“

Für die kleinen PatientInnen kann das über Leben und Tod entscheiden.

DeepTech made in Munich

Hinter Virtonomy steht ein Team von rund 20 ExpertInnen mit starker Verankerung in der Münchner Tech-Szene. Nach dem Studium der angewandten Mathematik und einer Promotion in kardiovaskulärer Technik gründete Simon Sonntag das Unternehmen 2019 gemeinsam mit Wen-Yang Chu, ehemals Philips Healthcare.

Von Beginn an unterstützt durch Programme der UnternehmerTUM und internationale InvestorInnen wie Holzbrinck Ventures, Accenture und Honeystone Ventures (Palo Alto), ist Virtonomy heute ein global wachsendes MedTech-Unternehmen. Besonders in den USA, wo die FDA In-Silico-Methoden zunehmend fördert, wächst das Interesse rasant.

Ein Markt, der erst entsteht – aber riesig wird

Sonntag ist überzeugt: Der Markt für virtuelle klinische Studien steht erst am Anfang.

„Wenn man sich anschaut, wie viel Geld heute in klinische Studien fließt, kann man sich ausmalen, was es bedeutet, wenn wir auch nur ein paar Jahre Entwicklungszeit einsparen.“

Das Münchner Startup macht vor, wie digitale Technologien die Medizintechnik verändern und echten Mehrwert für PatientInnen schaffen können.

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